Reale Perspektiven eröffnen

Jungen Menschen darf nicht suggeriert werden, nur mit Abitur sei Erfolg möglich. Die Realschule bereitet sie ideal vor. 

Über 227000 Fachkräfte fehlen in diesem Jahr in Bayern, 44000 Lehrstellen sind in Deutschland unbesetzt. Zahlen, die aufrütteln müssen. Zahlen, die verdeutlichen, mit welcher Dringlichkeit gerade die Stärkung der beruflichen Bildung in Bayern umgesetzt werden muss. Zahlen, die aber auch zeigen, dass jungen, gut ausgebildeten Menschen alle Wege offenstehen und sie beste Perspektiven auf eine hervorragende berufliche Laufbahn haben.

In der kürzlich stattgefundenen Pressekonferenz „Der Mensch beginnt nicht beim Abitur – jetzt die berufliche Bildung stärken!“ hat der Bayerische Realschullehrerverband darauf gepocht, dass die Politik und alle gesellschaftlichen Kräfte die vielfältigen Wege der beruflichen Bildung anerkennen und stärken müssen. Berufliche und akademische Bildung sind zwar nicht gleichartig, sehr wohl aber gleichwertig – eine einseitige Fokussierung auf hohe Abitur- und Akademikerquoten geht an den aktuellen Erfordernissen und Zukunftsherausforderungen vorbei. Keinem jungen Menschen darf suggeriert werden, nur mit Abitur und akademischer Laufbahn sei beruflicher Erfolg möglich. Eine Bildungspolitik, die nur auf Abiturquote statt auf Qualität und individuelle Entwicklung des einzelnen jungen Menschen setzt, ist zum Scheitern verurteilt, wie anhand einiger Bundesländer zu sehen ist. Die talent- und begabungsorientierten Bildungswege, die Differenzierungsmöglichkeiten sind es, die dem Freistaat die dringend benötigten Fachkräfte sichern – der Bedarf und die Chancen für die jungen Menschen liegen auf der Hand.

Mit ihrem klaren Profil, ihrem Anwendungsbezug im Zusammenspiel mit der heimischen Wirtschaft, der MINT-Förderung, der sprachlichen, sozialwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Profilierung bereitet die Realschule in Bayern die jungen Menschen ideal auf vielfältige Anschlüsse vor. Der Realschulabschluss ist die Grundlage für zahlreiche Karrieremöglichkeiten – in die berufliche und akademische Richtung oder idealerweise auch in beide Richtungen. Die kürzlich herausgegebene Forsa-Umfrage des brlv untermauert, dass die Menschen in Bayern die Perspektiven der Realschulabsolventen auf dem Arbeitsmarkt mit überwältigender Mehrheit als sehr gut einschätzen – zurecht. Realschüler sind diejenigen Auszubildenden, die bei den Unternehmen und im Handwerk heiß begehrt sind. Auch deshalb entscheiden sich Eltern und Schüler bewusst für den Weg über eine Realschule. Die individuellen Lebensentwürfe im 21.Jahrhundert bedürfen individueller Bildungswege. Die Realschule ist in Bayern und in ganz Deutschland hoch anerkannt.

Der Ende Juli 2017 von Staatsregierung, Wirtschaft und Bundesagentur für Arbeit unterzeichnete „Pakt für Berufliche Bildung“ gibt ein klares Signal für den hohen Stellenwert der beruflichen Bildung. Dass jungen Menschen vielversprechende Perspektiven eröffnet und Entfaltungsmöglichkeiten jenseits von Abitur und Studium geboten werden müssen, ist bei vielen Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik inzwischen angekommen. Nun gilt es, die Jugendlichen auf ihrem Weg zu unterstützen, sie individuell zu fördern und ihnen aufzuzeigen, was der Wirtschaftsstandort Bayern ihnen bietet. Der „Pakt für Berufliche Bildung“ ist ein weiterer Schritt für zukunftsorientierte Bildung.

Jürgen Böhm, Gastbeitrag "Außenansicht", Mittelbayerische Zeitung

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