Zentralismus in der Bildung? – Die falsche Antwort! Böhm (VDR) erteilt zentralistischen Strukturdebatten eine klare Absage – Vereinheitlichung bringt Qualitätsabbau

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Die politisch aufgeheizten Diskussionen um Strukturdebatten und zunehmenden Zentralismus in der Bildungspolitik reißen nicht ab. Im aktuellen ifo-Bildungsbarometer 2020 steht, trotz der mehrheitlichen Entscheidung der Bürger für den Bildungsföderalismus, erneut die scheinbare Patentlösung Zentralismus im Vordergrund.

„Zentralistische Bildungsstrukturen mit einem wie auch immer nicht legitimierten Bildungsrat an oberster Stelle wären ein Rückschritt in der Bildungspolitik, eine Nivellierung nach unten und eine klare Absage an den Bildungsföderalismus, den das Grundgesetz zu Recht schützt und garantiert. Ein rein universitär dominierter Bildungsrat, der nur unverbindliche Empfehlungen aussprechen soll, kann in keiner Weise unser Land und unsere Bildung nach vorn bringen oder weiterentwickeln“, äußert sich Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbandes (VDR), angesichts der Veröffentlichungen des ifo-Instituts.

„Der nationale Bildungsrat wird sich, wie vor einem Jahr, nicht durchsetzen. Die auch durch Corona medial angeheizte Diskussion nach Gleichmacherei und Vereinheitlichung wird nicht zu einem Anstieg in der Qualität und Leistung unseres Bildungssystems führen, sondern sich ganz im Gegenteil am untersten Niveau und an falschen Normen orientieren“, ist Böhm überzeugt.

Die wirkliche Qualität der einzelnen Schulabschlüsse muss ins Auge gefasst werden und die Vielfalt der Bildungswege garantiert bleiben. Es ist die Stärke des deutschen Bildungsföderalismus, dass auf die jeweiligen regionalen und kulturellen Gegebenheiten Rücksicht genommen werden kann, und neben der akademischen Bildung die berufliche Bildung in unserem Land einen enormen Stellenwert besitzt. Niemand verbiete es den schwächeren Ländern sich an der Qualität der bildungsstarken Länder zu orientieren und somit die Diskussion über die Abschlussqualität zu beenden.

Die Mehrheit der ifo-Befragten fordern so auch einen Bildungsstaatsvertrag, mit dem durchaus gewisse Standards innerhalb verlässlicher Rahmenbedingungen erzielt werden könnten. „Es gibt ja bereits bundesweite Vergleichsaufgaben und Aufgabenpools, die in Abschlussprüfungen für eine messbare Vergleichbarkeit sorgen sollen. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahren gerade hier das größte Problem in der praktischen und politischen Umsetzung gezeigt. Quote ist nicht immer Qualität“, betont Böhm.

In Verantwortung für die Qualität der Bildung könne sich Deutschland eine Abkehr vom Bildungsföderalismus nicht leisten.


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Politik

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